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Persönliches

1967 wurde ich in Deutschland geboren. Aufgewachsen bin ich in Rheydt am Niederrhein. Ich mag die Landschaft am Niederrhein. Hanns Dieter Hüsch hat einmal gesagt, dass wenn man am Niederrhein die Augen zu schmalen Schlitzen schliesst und sich stark konzentriert, dann kann man das Meer sehen…
Ich mag Hanns Dieter Hüsch und manchmal trete ich, recht privat, in seine Fusstapfen. Das Meer mag ich. An das Meer, das in Holland Nordsee heisst, bin ich in Kindertagen oft gefahren. Mit meiner Mutter, die mich allein aufgezogen hat. In Holland gab es Hagelslag, Flipjevla und Sandburgen. Meine Mutter mag ich auch, sie hat es gut hingekriegt mit meiner Erziehung und Herzensbildung. Als Alleinerziehende hatte sie damals das Glück, dass dies im Beruf, genauer im Büro, akzeptiert wurde und an Samstagen durfte ich dort Überweisungsträger bemalen. Meine zwanghafte Seite erfuhr hier frühe Förderung. Ganz "alleinerzogen" war ich nicht. Meine Oma war auch beteiligt. Ihr "Was-sollen-nur-die-Nachbarn-denken" machte mir Mühe. Wohl auch, weil es mich zu sehr geprägt hat. Ihre Sprüche, ihre niederrheinisch-ruhrpöttische Duisburger Mentalität, die mochte ich: "Kämm dich doch mal" und "Knapp vorbei ist auch daneben".

Scheuer Durchschnittsschüler war ich bis zur zehnten Klasse. Dass ich einmal Abitur mache, war mir schwer vorstellbar, andere Liga. Und doch ging auf dem Hugo-Junkers-Gymnasium, neu erbaut auf zerbombten Fundamenten, gerade rechtzeitig zu meinem Übertritt koedukativ geworden, alles ganz leicht. Noch heute erinnere ich mich genau an den Moment in der Pausenhalle, kurz vor der Wahl zur Jahrgangsstufenvertretung der 11. Klasse, in dem ich mich die Worte sprechen höre: Ich kandidiere. Wer war das, der da in mir sprach? Pubertäre Verwirrung? Etwas in mir erwachte zu neuem Leben. Ich wurde Vertreter der Jahrgangsstufe, stellvertretender SchülerInnensprecher und Mitglied der BezirksschülerInnenvertretung. Ich war aktiv, geschätzt, saß in verschiedenen Gremien, hatte gute Gründe, in den langweiligsten Unterrichtsstunden wichtige Dinge zu tun. Auch mal ein Kakao zu trinken in der Kneipe gegenüber. Ja, ich war auch so einer mit labbrigen Pullovern, selbstgefärbten Hosen und –eben: Kakao trinken. Ab und an trank ich den Kakao mit Stefan Padberg. Heute machen wir TZI zusammen. Eine wichtige, lange und bereichernde Freundschaft. Mit ihm wohnte ich eine Weile im Oscar-Romero-Haus in Bonn, meiner Studienstadt. Wir reflektierten unser WG-Leben, ließen den Spülberg wachsen, stritten darum und redeten darüber. Dort zog dann auch eines Tages Viola ein. Die mag ich auch. Und besonders mag ich es mit ihr in Portugal ein altes Haus zu renovieren, Hunde zu finden und spazieren zu gehen – am Meer.


Studium und Beruf

In Bonn und für ein Jahr in Frankreich habe ich Biologie, Geographie und Erziehungswissenschaften studiert, mit dem Ziel Lehrer zu werden für die fünfte bis 13. Klasse. Sozialgeographie hat mich am stärksten interessiert und ich habe meine empirische Examensarbeit über muslimische Einwanderer und Subkulturen in unserem Bonner Viertel geschrieben. Also Theorien und geographisch-politische Thesen auf den Globe/Kontext vor meiner Haustür angewandt. Meine TZI-Ausbildung habe ich parallel zum Hauptstudium gestartet und versucht an vielen Stellen einfließen zu lassen. Es war eine große Erleichterung für mich, etwas zu lernen, was mir für die zukünftige Aufgabe und das tägliche Leben nützlich erschien, mich besser kennen zu lernen. Im Referendariat, dem praktischen Teil der Ausbildung in Schulen, war mir TZI eine Stütze und eine Bürde zugleich: es gab mir Ideen und Haltung und es ließ mich manche Schwierigkeit deutlich sehen, ohne zu wissen, wie damit umzugehen oder sie zu verändern.

Über meine TZI Ausbildung lernte ich die Ecole d’Humanité kennen. Von 1998 bis 2007 habe ich in der Ecole gelebt und gearbeitet. Zusammen mit Kari Aschwanden als TZI-Berater und anderen KollegInnen habe ich viel über TZI nachgedacht, diskutiert, TZI gelehrt und gelernt. Auch über das Leben. Und im Musicalprojekt habe ich viel gelernt über Jugendliche, meine Grenzen und zusammen mit Joachim Mauch, dass eine solche Arbeit Lernen fürs Leben ist. Reformpädagogik. Heute besser, alternative Pädagogik?!

Was mir wichtig ist und am Herzen liegt

Ich bin dankbar, schon im Studium TZI kennen gelernt zu haben und in der Lage gewesen zu sein, dies intensiv zu verfolgen. Ich spürte von Anfang an, dass es hier etwas Wesentliches zu lernen gab. Auch der Hintergrund, dass "Auschwitz nicht wieder sei" hat mich angesprochen und berührt und tut dies noch heute. Verantwortlich und verbindlich miteinander umzugehen, sind mir zentrale Anliegen für mein Handeln, meine Lehre und mein Lernen. Dies wurde mir auch neulich wieder deutlich in einem TZI-Kurs für Studierende. Wenn dort ein Stück weit gelernt wurde, dass es wichtig ist, sich für sich und sein Studium einzusetzen und dies im Blick auch auf die anderen und die Gesellschaft zu tun.

Ich habe bei Kari Aschwanden Kurse und Workshops besucht und so auch nach dem Diplom intensiv weiter TZI gelernt. Karis Art, ich würde sie als 'nüchtern und radikal, auf der Suche nach dem Wesentlichen' bezeichnen, hat vieles in mir ausgelöst und hat mich tief berührt. Die Bedeutung der Verbindlichkeit, der Unterschied zwischen Themenzentrierung und Übungs- und Störungszentrierung sind mir wesentlich geworden. Das tiefe Nachdenken über das Menschliche, das Männliche, das Patriarchat und das Chairperson Postulat haben mich dann u.a. dazu geführt, in TZI zu graduieren.

Versöhnung liegt mir am Herzen, ich glaube an die Möglichkeit, auch wenn es vielleicht mehr Scheitern gibt. Nelson Mandela ist hier eine Symbolfigur für mich und Ruth C. Cohn. Dass sie Menschen ernst nimmt auch in ihrer Fähigkeit zum Bösen, ist vielleicht mit ein Grund, dass sie die Shoa überlebt hat und der Menschheit ein wichtiges Werkzeug in die Hand gegeben hat. Vielleicht glaube ich auch an Versöhnung, weil sie mir damals mit meinem Babylächeln zwischen meiner Oma und meiner Mutter gelang. Einfach so, weil ich da war. Ich möchte weiter suchen, finden und entdecken. Lernen auch wenn ich Lehre, Lehren, wenn ich lerne. Und ‚schulleitern’ mit Haltung und Methode. Dass dies geht und ich auch dort Lernender sein kann, macht mich zufrieden.


Zum Schluss zurück an den Niederrhein zu Hanns Dieter HÜSCH

"Ich hab’s mir überlegt
ich setzte auf die Liebe,
das ist das Thema,
den Hass aus der Welt zu entfernen,
bis wir bereit sind zu lernen.
Das Macht, Gewalt, Rache und Sieg nichts anderes bedeuten als ewigen Krieg
auf Erden und dann auf den Sternen
Ich setze auf die Liebe,
wenn Sturm mich in die Knie zwingt und Angst in meinen Schläfen buchstabiert
ein dunkler Abend mir die Sinne trübt,
ein Freund im anderen Lager sing/kt,
ein junger Mensch den Kopf verliert,
ein alter Mensch den Abschied übt
Ich setzte auf die Liebe, das ist das Thema,
den Hass aus der Welt zu vertreiben, immer neu zu beschreiben.
Die einen sagen, es läge am Geld,
die anderen sagen es wäre die Welt, sie läge in den falschen Händen.
Jeder weiss besser woran es liegt,
doch hat noch niemand den Hass besiegt,
ohne ihn selbst zu beenden
Es kann mir sagen, was er will,
es kann mir singen , wie er’s meint
und mir erklären, was er muss
und mir’s begründen wie er’s braucht
ich setze auf die Liebe
Schluss"