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"Sei dein eigener Chairman, der Chairman deiner selbst. Das bedeutet:

a) Sei dir deiner inneren Gegebenheiten und deiner Umwelt bewusst.

b) Nimm jede Situation als Angebot für deine Entscheidungen.

Nimm und gib, wie du es verantwortlich für dich selbst und andere willst."

Ruth Cohn (1975): Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion. Stuttgart.
S. 120 f.

Am Samstag, den 30. Januar 2010 ist die Begründerin der Themenzentrierten Interaktion und auch des Chairpersonpostulates in Düsseldorf gestorben. Aus diesem Anlass und aus Dank an dieser Stelle eine Nachruf von Hertje Hertz:

Ruth Cohn – Hoffnung gegen das Grauen in der Welt
Wir trauern um Ruth C. Cohn.

Die Psychotherapeutin und Begründerin der Themenzentrierten Interaktion (TZI)  verstarb am
Samstag, den 30.Januar 2010 im Alter von 97 Jahren in Düsseldorf. Fast 100 Jahre lang war sie Zeugin des 20. Jahrhunderts mit seiner leidvollen und brutalen Geschichte und mit seinen hoffnungsvollen Aufbrüchen.  Ruth Cohn war dieser Geschichte ausgeliefert und hat sie – jedenfalls auf dem Gebiet der Pädagogik und Psychotherapie – dank ihrer genialen Intelligenz und Einfühlsamkeit und ihres Engagement mitgestaltet.  Wer sie erlebt hat, hat sie in Erinnerung als kleine Frau mit großer Ausstrahlung, lebhaft und nachdenklich, humorvoll und klug, optimistisch und realistisch zugleich, eine Zauberin und schließlich weise Frau. „Zu wissen, dass wir zählen“ ist der Titel eines Gedichtbandes von ihr;  zu wissen: dass jeder Mensch wert ist zu leben und dass jeder Mensch durch sein Handeln die Welt um ein Ministück verändert.

Geprägt als Kind von einem Berliner großbürgerlichen jüdischen Elternhaus mit Fragen nach (sozialer) Gerechtigkeit und nach religiöser Dimension, geprägt als Studentin in Deutschland von Erlebnissen mit nationalsozialistischer Grausamkeit und wach wie wenige für die bedrohlichen Entwicklungen, lässt Ruth Cohn sich in Zürich zur Psychoanalytikerin ausbilden, um heilend mit Menschen arbeiten zu können.

Als Emigrantin in den USA erfährt sie Nicht-Anerkennung ihrer Qualifikation, Fremdheit, materielle Sorgen. Sie hat schließlich aber auch Anteil am Aufbruch in den USA der 40er bis 60er Jahre, wo nach dem Schock der Weltwirtschaftskrise und den Erfahrungen mit durch Kriege traumatisierten Menschen in Psychotherapeutenkreisen neu nachgedacht wird über Menschlichkeit und Mensch-Sein, einschließlich aller Schattenseiten. Aus verschiedenen – zunächst nicht vernetzten – therapeutischen und pädagogischen Ansätzen entwickelt sich mit zunehmendem Austausch untereinander die Humanistische Psychologie als dritte Kraft zwischen Psychoanalyse und Behaviourismus. Ungeheurer Optimismus beflügelt die UrheberInnen, durch pädagogisch-therapeutische Arbeit mit Einzelnen und Gruppen gesellschaftliche Veränderungen bewirken zu können.

Ruth Cohn entwickelt die Themenzentrierte Interaktion (TZI), ein Konzept ganzheitlichen lebendigen Lernens, das eindeutig an  Werten orientiert ist. In Europa wird man auf Ruth Cohn aufmerksam, lädt sie ein zu Kongressen und Workshops. Sie entschließt sich, zurückzukehren und von der Schweiz aus, wo sie in der Ecole d’Humanité als Beraterin tätig wird, TZI zu lehren. Generationen von TZI-Lernenden und -Lehrenden verdanken ihr entscheidende Impulse und Veränderungen in ihrem Leben und sind mit der TZI ermutigt, in Verantwortung für sich selber und in Achtsamkeit gegenüber anderen und den Bedingungen der Umwelt ,sich den Herausforderungen durch Aufgaben zu stellen (leicht gesagt und lebenslanger Übung wert!).  Es gilt, Augen und Ohren vor dem Grauen in der Welt nicht zu verschließen und dennoch das Schöne am Leben wahrzunehmen und zu genießen und in kleinen Schritten dazu beizutragen, wertebewusst verführendem Massensog zu widerstehen und Menschlichkeit zu bewahren.

Hertje Hertz
Ruth Cohn Institut für TZI, Schweiz und International
www.tzi.ch